Literaturgeschichte
in Schlagworten

"Laß dich deine Lektüren nicht beherrschen, sondern herrsche über sie."

- G.C. Lichtenberg -

Kachelbild im Privatbesitz von Ulrich Koch

Warnung: Bitte beachten Sie diese "Verpackungsbeilage" sowie die Hinweise Ihres Deutschdozenten bzw. -lehrers. Die folgende Schlagwortliste dient lediglich als Erinnerungshilfe und Kriterienkatalog für die eigenständige Auseinandersetzung mit Literatur. Eine Nichtbeachtung dieser Hinweise verleitet möglicherweise zu Etikettenschwindel und weiteren schädlichen Nebenwirkungen.

 

Mittelalterliche Literatur: 750-1500

 

Frühes Mittelalter: 750-1170
Relikte aus germanischer Zeit, Christianisierung, ostfränkisches Reich, Karl der Große, Übergang vom Althochdeutschen zum Mittelhochdeutschen, Stabreimdichtung, geistliche und weltliche Literatur

"Merseburger Zaubersprüche", "Hildebrandslied" (= einzige erhaltene germanische Heldenlied in althochdeutscher Sprache) / "Wessobrunner Gebet", "Heliand"

Hohes Mittelalter: 1170-1270
Friedrich Barbarossa, Stauferzeit, Blütezeit ritterlicher Dichtung, höfische Gesellschaft, Minnedienst und Minnesang, Hohe (Unerreichbarkeit der geliebten und höher gestellten Herrin, keine körperliche Erfüllung, Dienst dient der Veredelung des Mannes, Liebeslohn höchstens ein Gruß, ein Lächeln) und niedere Minne (erfüllte Liebe zwischen Ritter und Landmädchen in idyllischer Umgebung, seelisches Empfinden), strenge strophische Gliederung, Endreim, Spruchdichtung als Kritik an Missständen in der ritterlichen Gesellschaft, Versepos- bzw. Heldenepos, "aventiure", ritterliche Taten, ritterliche Tugenden (Zucht, Ehre, Maße, Hoher Mut, Stetigkeit, Tapferkeit, Treue, Mitleid, Keuschheit), höfisches Ieal, aber auch Tragik, Rache, Macht, Geschichtspessimismus

Hartmann von Aue (ca. 1160-1210): "Armer Heinrich" (Verslegende) / Wolfram von Eschenbach (ca. 1170-1220): "Parzival" (Versepos) / Gottfried von Straßburg (bis 1210): "Tristan und Isolde" (Versepos)/ Walther von der Vogelweide (ca. 1170-1230): Minnelyrik und Spruchdichtung / unbekannter Verfasser: "Nibelungenlied" (Heldenepos)

Spätes Mittelalter: 1270-1500
Herrschaft der Habsburger, Kritik an der Lebensfremdheit des höfischen Minnesangs, Verfall des Ritterstandes, Aufkommen neuer kreativer, bürgerlicher Schichten, Erstarken der Städte, derb-volkstümliche Dichtung und "geistliches Spiel", Mystik, Mysterienspiele, Fronleichnamsspiele, Marienklage, Legendenspiele, Fastnachtspiele, Volkspredigten

Neidhart von Reuental (ca. 1180 - ca. 1237): spöttisch-derbe Lieder in ländlichem Milieu / Wernher der Gartenaere (um 1250): "Meier Helmbrecht" = dörfisches Bauernepos / "Manessische Liederhandschrift" (zwischen 1300 und 1340): mit Miniaturen illustrierte kunstgewerbliche Minnelyrik / "Reynke de Vos" (1498): zeitkritisches Tierepos / Oswald von Wolkenstein (1377-1445): emanzipatorische Lyrik / Meister Eckart (1295-1327): "Mystische Schriften" mit der Zielsetzung, in der eigenen Individualität das "Fünklein Gottes" zu entdecken

 

Renaissance und Humanismus: 1470-1600

Eroberung Konstantinopels und daraus resultierende Flucht der Gelehrten, Erfindung des Buchdrucks, Entdeckung Amerikas, Reformation (Wegbereiter: Melanchthon, Ulrich von Hutten, Konrad Celtis und Erasmus von Rotterdam, Martin Luther), Bauernkrieg, Religionsfriede, Frühkapitalismus, Erstarken der Kaufleute und des Bürgertums, Aufbruchsstimmung, Rückbesinnung auf die Antike und ihre Literatur, Prägung der deutschen Sprache durch Luthers Bibelübersetzung und Kirchenlieder, Sehnsucht kleinbürgerlich-handwerklicher Kreise nach erhebender Kunst, Nürnberg als Zentrum des Meistersangs, Fastnachtspiel, Narrenliteratur, didaktische und satirische Literatur

Johannes von Saaz bzw. von Tepl (1350-1414): "Der Ackermann aus Böhmen" / Sebastian Brandt (1458-1521): "Das Narrenschiff" (1494) / Thomas Murner (1475-1537): "Von dem großen Lutherischen Narren" / Martin Luther (1483-1546): "Lutherbibel", Kirchenlieder, Fabeln / Hans Sachs (1494-1576): Fastnachtspiele / Volksbuch: (1515): "Till Eulenspiegel" / 1515: "Epistolae obscurorum virorum": satirische Abrechnung dieser "Dunkelmännerbriefe" mit Gegnern der Humanisten / Volksbuch (1587): "Historia von D. Johann Fausten" / Volksbuch (1597): "Die Schildbürger" (ursprünglich "Das Lalebuch")

 

Barock: 1600-1720

Glaubensspaltung, katholische Gegenreformation, Dreißigjähriger Krieg (1618-1648), neues Weltbild durch naturwissenschaftliche Entdeckungen Keplers und Galileis, Hexenverfolgungen, fürstlicher Absolutismus, glanzvoller Hof als Zentrum des kulturellen Lebens, prachtvolle Schlösser und Kirchen, türkische Belagerung Wiens, Sprechkultur der "elegantia" als Gegenentwurf zur Vergänglichkeit und Bedrohung, zunehmende Bedeutung der Stadt für das literarische Leben, zwiespältiges Lebensgefühl, ausgedrückt mit dem portugiesischen Wort "barocco" für "unregelmäßige Perle", die die gefährdete Harmonie versinnbildlicht, beherrschendner Vergänglichkeitsgedanke ("vanitas"), Lebenslust gegenüber Diesseitsflucht ins Religiöse, Lebensgier gegenüber Todessehnsucht, Reinigung der deutschen Sprache von lateinischen und mittelalterlichen Einflüssen, Sprachgesellschaften ("Fruchtbringende Gesellschaft" bzw. "Palmenorden"), Wanderbühnen, Aufkommen von Zeitungen, Schelmenroman, Sonett, Jesuitendrama, Märtyrerdrama, Geschichtsdrama, Vorliebe bildhafter Stilmittel wie Metapher, Allegorie und Emblem

Autoren aus Dominikaner-Orden (1487): "Hexenhammer" = folgenschwere Anweisung zur Führung von Hexenprozessen / Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635): "Trutz-Nachtigall" geistliche Lyrik aus dem katholischen Lager / Martin Opitz (1597-1639): dichtungstheoretisches "Buch von der deutschen Poeterey", Gedichte / Paul Gerhardt (1607-76): "O Haupt voll Blut und Wunden" und andere Gesangbuchlieder aus dem protestantischen Lager / Paul Fleming (1609-1640): Lyrik / Andreas Gryphius (1616-1664): Gedichte u.a / Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-1776): "Simplicissimus" = ein drastisch anklagender Kriegsroman in der Tradition des spanischen Schelmenromans / anonyme Veröffentlichung des Jesuiten Friedrich Spee (1631): "Cautio criminalis" als Schrift gegen den Hexenwahn / Daniel Caspar von Lohenstein (1635-1683): machtkritisches Geschichtsdrama "Agrippina"

 

Aufklärung: 1720-1785

wirtschaftliches Erstarken, Manufakturen, Teilhabe des Bürgertums am wirtschaftlichen Wohlstand und daraus resultierendes Selbstbewusstsein gegenüber dem Adel trotz politischer Bevormundung, Erfolg des Bürgers durch persönlichen Einsatz im Dienste des Allgemeinwohls, moralischer Anspruch des Bürgers an sich selbst und an den Hof, Betonung der Vernunft ("ratio"), auch im Glauben, Ablehnung aller Bevormundung, Befreiung von der "selbst verschuldeten Unmündigkeit", dem "Unvermögen, sich seines Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen" (Kant), Rückkehr zur Natur, Toleranz und Humanität, zunehmender Einfluss von Philosophen (Descartes, Locke, Leibniz, Kant) und Naturwissenschaftlern, Nationaltheater statt Hof- und Wandertheater, Bürgerliches Trauerspiel, bei dem die Standesunterschiede zwischen Bürgertum und Adel den tragischen Ausgang herbeiführen, verstandesbetonte, lehrhafte Dichtung zur Besserung von Moral und Sitten, Klarheit der Strukturen, Regelhaftigkeit, Einhaltung der drei Einheiten nach Aristoteles (Ort, Zeit, Handlung), Aphorismen, Fabeln und Satiren, "moralische Wochenschriften", im Laufe der Epoche Abwendung von der französischen Klassik und Annäherung an die englischsprachige Literatur, aber auch spielerischer, artifizieller Genuss des Erreichten im Rokoko, einer Form gesteigerten Barocks, sinnenfrohe, leichte, den Augenblick feiernde Lyrik der Anakreontik

Johann Christoph Gottsched (1700-1766): "Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Teutschen" = dogmatisches Programm einer "vernünftigen" Literatur, die barocken Schwulst durch einen klaren Stil ersetzt und moralischen Nutzen verspricht, Forderung der Einhaltung der drei Einheiten, Orientierung an französischer Klassik, Dramen u.a. / Friedrich von Hagedorn (1708-1754): anakreontische Lyrik / Christian Fürchtegott Gellert: (1715-1769): Fabeln u.a. / Johann Wilhelm Gleim (1719-1803: "Versuch in scherzhaften Liedern", Fabeln / Magnus Gottfried Lichtwer (1719-1783): Fabeln / Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781): dichtungstheoretische Texte ("Briefe die neueste Literatur betreffend", "Hamburgische Dramaturgie"), Dramen: "Minna von Barnhelm, "Emilia Galotti", "Nathan der Weise" / Martin Christoph Wieland (1773-1813): "Die Geschichte des Agathon" (Roman) / Georg Christoph Lichtenberg 1742-1799): Aphorismen

 

Sturm und Drang: 1770-1785

Empfindsamkeit und Pietismus zwischen Aufklärung und Sturm und Drang, Rückbesinnung auf die Volkskunst und ihre natürliche ungekünstelte Sprache, Natürlichkeit der Dichtung statt starrer Regelhaftigkeit, Verehrung Shakespeares, Geniekult, kämpferisches Eintreten für Freiheit, Ablehnung politischer, weltanschaulicher sowie religiöser Dogmen, Kritikfreudigkeit, Hervorhebung des Individuums, Zurückweisung des Rein-Rationalen, Entdeckung der Seele, des Subjektiven, des Gefühls, schwärmerische Idealisierung der Natur, Erlebnis- und Gefühlsdichtung, Anwachsen der Leserschaft

Johann Georg Hamann (1730-1788) / Johann Gottfried Herder (1744-1803) / Gottfried August Bürger (1747-1794): Kunstballaden u.a. / Johann Wolfgang Goethe (1749-1832): Sesenheimer Lyrik, Hymnen, Festrede "Zum Shakespeare-Tag", "Die Leiden des jungen Werther" (Briefroman), "Götz von Berlichingen" (Drama), "Clavigo" (Drama) / Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792): "Der Hofmeister" (Drama) / Friedrich Schiller (1759-1805): Dramen: "Die Räuber", "Kabale und Liebe"

 

Weimarer Klassik: 1786-1805

aufgeklärter Absolutismus, Nachwirkungen der Französischen Revolution, Weimar als Zentrum der Literatur, Idealismus, Humanität, Antike als Maßstab, Griechenland als Vorbild, Reinheit, Wahrheit, das Gute, Harmonie und Ausgewogenheit, Einheit von Körper, Geist und Seele, Würde des Menschen, innere und äußere Freiheit, Sittlichkeit als Maßstab des Handelns und der Konfliktbewältigung, das Erhabene, Toleranz, Ausgleich, Bejahung der Ordnung, harmonische Verbindung von Aussage bzw. Gehalt und Form, Balladenjahr, Ideendramen

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832): Italienische Reise (1786/87), Dramen: "Iphigenie auf Tauris", "Torquato Tasso", "Faust" / Friedrich Schiller (1759-1805): Dramen: "Don Carlos", "Wallenstein", "Maria Stuart", "Wilhelm Tell", theoretische Schriften: "Über Anmut und Würde", "Vom Erhabenen", "Über naive und sentimentalische Dichtung"

Autoren zwischen Klassik und Romantik:
Heinrich von Kleist (1777-1811): "Prinz Friedrich von Homburg" (Drama) , "Kätchen von Heilbronn" (Drama), "Der zerbrochene Krug" (Drama), Erzählungen u.a. / Friedrich Hölderlin (1770-1843): "Hyperion" (Briefroman), Gedichte / Jean Paul (1763-1825): "Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wuz in Auenthal" (Erzählung), Romane

 

Romantik: 1805-1830

Mitteleuropa unter französischer Herrschaft Napoleons, nationale und liberale Befreiungsbewegungen, Restauration nach Wiener Kongress, Deutscher Bund, Einflüsse der Philosophen Fichte, Schleiermacher und Schelling, Streben nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, Ablehnung des Gesetzlichen, Hervorhebung der Individualität, des Gefühls, der Tiefe der Seele bis hin zum Phantastischen und Abgründigen, "blaue Blume", Überwindung des aufklärerischen Rationalismus, Rückbesinnung auf idealisiertes Mittelalter, "romantische Ironie", Schaffung einer neuen "Volksdichtung", schöpferische Sprache, "Universalpoesie", Mischung der literarischen Gattungen, Verschmelzung von Kunst, Religion und Wissenschaft zu einer Universalpoesie, Übersetzung bedeutender Werke der Weltliteratur ins Deutsche

Novalis (1772-1801): "Hymnen an die Nacht" (Lyrik), "Heinrich von Ofterdingen" (Romanfragment) / Ludwig Tieck (1773-1853): "Der blonde Eckbert" (Kunstmärchen", "Der gestiefelte Kater" (Kunstmärchen) / Clemens Brentano (1778-1842): "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" (Novelle) , Gedichte / Joseph von Eichendorff (1778-1857): "Aus dem Leben eines Taugenichts" (Novelle), Gedichte / Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822): "Kater Murr" (Roman), Das Fräulein von Scuderi" (Novelle) , "Der goldene Topf" (Märchen) / Adelbert von Chamisso (1781-1838): "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" (Novelle)

 

Biedermeier: 1820-1850

politische Machtlosigkeit der Bürger nach Wiener Kongress, Zensur, Rückzug ins Private, Resignation, Schutzsuche in der Ruhe, Ordnung, Bescheidenheit, Unscheinbarkeit, Abwendung vom Dämonischen hin zu realistischer Weltsicht und -darstellung, Bevorzugung kleiner literarischer Formen wie Lyrik und Novelle

Franz Grillparzer (1791-1872): Dramen, "Der arme Spielmann" (Novelle) / Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848): "Die Judenbuche" (Novelle), Lyrik / Jeremias Gotthelf (1797-1854): "Die schwarze Spinne" (Erzählung) / Nikolaus Lenau (1802-1850), Lyrik / Eduard Mörike (1804-1875): "Mozart auf der Reise nach Prag" (Novelle), Lyrik/ Adalbert Stifter (1805-1868): "Nachsommer" (Roman) / "Brigitta" (Novelle)

 

Vormärz und Junges Deutschland: 1830-1850

vom Hambacher Fest 1832 zur Märzrevolution 1848, Streben nach deutscher Einheit, Wunsch nach liberaler Verfassung, Freiheit des Denkens und Publizierens, Abschaffung der Zensur, erstarkender Journalismus, Kampf gegen Absolutismus und Starrheit von Kirche und Idealismus, Individualismus, Politisierung der Kunst, Anprangerung sozialer Not, realistischer Stil ohne jegliche Beschönigung, bissig-satirischer Ton, Reisebriefe

Heinrich Heine (1797-1856): Lyrik u.a. / Georg Büchner (1813-1837): "Der hessische Landbote", Dramen: Leonce und Lena", "Dantons Tod", "Woyzeck", "Lenz" (Erzählung)/ Ludwig Börne (1786-1837), Briefe / Karl Gutzkow (1811-1878) / Ferdinand Freiligrath (1810-1876), Lyrik / Georg Herwegh (1817-1884), Lyrik

 

Poetischer Realismus: 1850-1890

auch "Bürgerlicher Realismus", gewaltiger naturwissenschaftlicher und technischer Fortschritt, Gründerzeit, Optimismus, Imperialismus, Kolonialismus, bürgerliche Themen ohne aggressiv-politische Stoßrichtung, wirklichkeitsgenaue und zugleich poetisch-symbolische oder humorvolle Überhöhung der Realität, Objektivität, Distanz, historische Stoffe, der Mensch im Alltag und in seinem gesellschaftlichen Rahmen, Blütezeit der Epik

Friedrich Hebbel (1813-1863): "Maria Magdalena", "Agnes Bernauer" / Theodor Storm (1817-1888): Novellen: "Immensee", "Pole Poppenspäler", "Der Schimmelreiter", Lyrik / Theodor Fontane (1819-1898): Romane: "Irrungen Wirrungen", "Effi Briest", "Unterm Birnbaum" (Erzählung), Balladen u.a. / Gottfried Keller (1819-1890): "Der grüne Heinrich" (Roman), "Die Leute von Seldwyla" (Erzählungen) / Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898): Gedichte und Novellen / Wilhelm Raabe (1831-1910): Romane, z.B. "Stopfkuchen"

Naturalismus: 1880-1900

Zuspitzung der negativen Begleiterscheinungen der technischen, industriellen und politischen Entwicklung, Einflüsse Feuerbachs, Darwins und Marx', Wissenschaftsglaube, Landflucht und Verstädterung, soziales Elend der zunehmenden Massen, ungeschminkte Wiedergabe der Natur ohne jegliche poetische Verklärung, Darstellung der sozialen, psychologischen und biologischen Lebensbedingungen, Thematisierung der Unterschicht, der Verelendung im Industriezeitalter, des ausgebeuteten Proletariers, des Alkoholismus, des tyrannischen Vaters, Arno Holz' Postulat: Kunst = Natur minus x , der Autor als wissenschaftlich vorgehender Textersteller, Verzicht auf verfeinerte Bühnensprache, Aufnahme des Dialekts in die Dichtung, ausführliche Regieanweisungen, Sekundenstil

Johannes Schlaf (1862-1941): Dramen / Arno Holz (1863-1929): "Papa Hamlet" / Gerhart Hauptmann (1862-1946): Dramen: "Die Weber", "Vor Sonnenaufgang", "Der Biberpelz", "Bahnwärter Thiel" (Novelle)

 

Impressionismus und Symbolismus: 1890-1920

Gegenströmungen zum Naturalismus, subjektive Wahrnehmung, Verinnerlichung statt moderner Entfremdung, Festhalten des Augenblicks, Stimmungseindrücke, verborgene Regungen der Seele, Bevorzugung der Lyrik, darin stilisierte Natur, Verschmelzung von Außen- und Innenwelt, Garten- und Parkmotive, Gegenwart im Fluidum der Ewigkeit, "Dinggedichte", große Symbolkraft, erlesene Sprachbilder, Vielfalt der sprachlichen Mittel (z.B. Lautmalerei und Synästhesie), Dekadenz im Bewusstsein des Niedergangs der Kultur, extravaganter Lebensstil, Endzeitstimmung ("Fin de siecle"), Jugendstil, Ausblendung der Politik, der brennenden sozialen Probleme und der aktuellen Tagesereignisse

Arthur Schnitzler (1862-1931): Dramen: "Anatol", "Liebelei", "Reigen", "Leutnant Gustl (Erzählung) / Stefan George (1868-1933): Lyrik / Hugo von Hofmannsthal (1874-1929): "Jedermann", "Der Schwierige", "Reitergeschichte" (Erzählung), "Brief des Lord Chandos" (fiktiver Brief), Lyrik / Rainer Maria Rilke (1875-1926), Lyrik: "Duineser Elegien", "Sonette an Orpheus"

weitere Gegenströmungen und Mischformen:
Frank Wedekind (1864-1918): "Frühlingserwachen" (Drama) / Christian Morgenstern (1871-1914): groteske Gedichte / Hermann Hesse (1877-1962): "Siddartha", "Der Steppenwolf" (Romane)

 

Expressionismus: 1910-1925

ausgehendes Kaiserreich und Erster Weltkrieg, Ausläufer bis in die Weimarer Zeit, Ablehnung des Impressionismus als Sprachspielerei, stattdessen in Anlehnung an expressionistische Maler wie van Gogh oder Munch Forderung nach einer neuen Ausdruckskunst, die die Erschaffung eines neuen Menschen und damit den Aufbruch in ein neues Zeitalter ermögliche, Missverständnis des Ersten Weltkrieges als "reinigendes Gewitter", um Missstände zu überwinden, Kritik an heruntergekommener bürgerlicher Gesellschaft, (bürgerlicher) Generationskonflikt, die Stadt, die Technik, der Krieg, der "neue Mensch" als Themen, Suche nach dem Sinn des Lebens, Ziel nicht nicht Abbildung der äußeren Natur, sondern Schaffung einer eigenen neuen Wirklichkeit, Veränderung und Zertrümmerung sprachlicher Strukturen, kühne Sprachbilder, virtuoser Einsatz sprachlicher Mittel (z.B. Farbsymbolik, Metaphern und Chiffren, Häufungen, Aufbrechen der Syntax, raffiniertes Auflösen geschlossener Formen, Montage, Stilvielfalt), Herausschleudern aufgestauter Emotionen, seelischer Erlebnisse und Visionen, Aufspaltung in eine optimistisch, messianische, den "neuen Menschen" erwartende, und in eine pessimistische, apokalyptische Strömung, die von nostalgischer, traurig-schöner Melancholie bis hin zu übersteigerten Schreckensbildern reicht mit medizinisch-pathologischen Widerwärtigkeiten, Stadt- und Kriegswüsten und einer schicksalhaften, trostlosen, dem Verfall preisgegebenTodesgewissheit

Else Lasker-Schüler (1869-1945): Lyrik / Alfred Döblin (1878-1957): "Berlin Alexanderplatz" / Georg Kaiser (1878-1945): "Die Bürger von Calais" / Franz Kafka (1883-1924): "Das Urteil", "Die Verwandlung", "Der Prozeß", parabolische Texte / Gottfried Benn (1886-1956): Lyrik / Georg Heym (1887-1912): Lyrik, z.B. "Der Krieg", "Der Gott der Stadt"/ Georg Trakl (1887-1914): Lyrik

 

Weimarer Republik: 1919-1932

Aufbauversuch einer Demokratie unter schwersten Bedingungen nach dem verlorenen Krieg, antidemokratische Tendenzen bis zur extremen Radikalisierung zwischen revolutionärem Marxismus, patriotischem Militarismus und aggressivem Nationalsozialismus, bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, Putschversuche, Inflation, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, aber auch kulturelle Blütezeit der "goldenen Zwanziger", Vielfalt der Stile: Agitprop, Dadaismus, Futurismus, Neue Sachlichkeit, Dokumentation, Reportage, episches Theater

Heinrich Mann (1871-1950): "Professor Unrat", "Der Untertan" / Tomas Mann (1875-1955): "Mario und der Zauberer", "Der Tod in Venedig", "Der Zauberberg" / Alfred Döblin (1878-1957): "Berlin Alexanderplatz" / Robert Musil (1880-1942): "Der Mann ohne Eigenschaften" / Joseph Roth (1884-1939): "Radetzkymarsch" / Erich Maria Remarque (1898-1970): "Im Westen nichts Neues" (Roman) / Kurt Tucholsky (1890-1935): satirische Lyrik, "Schloß Gripsholm" / Carl Zuckmayer (1896-1977): "Der Hauptmann von Köpenick" / Bertolt Brecht (1898-1956): Episches Drama, "Mutter Courage und ihre Kinder", "Leben des Galilei", "Der kaukasische Kreidekreis", Lyrik, dichtungstheoretische Schriften / Ödön von Horvarth (1901-1938): "Geschichten aus dem Wienerwald

 

Drittes Reich und Exil: 1933-1945

Bücherverbrennung, Berufsverbote, vor allem für jüdische Autoren, sog. entartete Kunst, Blut- und Bodenliteratur, innere Emigration, Volksfront, Exilliteratur

Innere Emigration: Werner Bergengruen / Erich Kästner / Gottfried Benn Exil: Bertolt Brecht: "Furcht und Elend des Dritten Reiches", "Kalendergeschichten", "Geschichten von Herrn Keuner"/ Alfred Döblin / Lion Feuchtwanger: "Exil" / Egon Erwin Kisch / Heinrich Mann / Thomas Mann / Else Lasker-Schüler / Walter Mehring / Joseph Roth / Anna Seghers: "Das siebte Kreuz" /Ernst Toller / Arnold Zweig / Stefan Zweig: "Schachnovelle"

 

Nachkriegsliteratur: ab 1945

1945-1950: Kahlschlag und Inventur / 1951-1960: zwei deutsche Literaturen / 1961-1970: Auf dem Weg zur Revolte / 1971-1980: Neue Subjektivität / 1981-1990: "Gegengeschichten" / ab 1991 jüngste Literatur

Bundesrepublikanische Literatur: Trümmerliteratur, "Gruppe 47", dokumentarisches Theater, "Gruppe 61", Absurdes Theater u.a.

Alfred Andersch: "Sansibar oder der letzte Grund" / Heinrich Böll: "Das Brot der frühen Jahre", "Ansichten eines Clowns", "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" / Wolfgang Borchert: "Draußen vor der Tür" / Günter Grass: "Die Blechtrommel" / Uwe Johnson: "Mumaßungen über Jakob" / Wolfgang Koeppen: "Tauben im Gras" / Siegfried Lenz: "Deutschstunde" / Patrick Süskind: "Das Parfüm" / Peter Weiss: "Die Ermittlung" / Martin Walser: "Ein fliehendes Pferd" / Gabriele Wohmann /Carl Zuckmayer: "Des Teufels General"

DDR-Literatur: "Berliner Ensemble", Ankunftsliteratur, Bitterfelder Weg, Produktionsliteratur, sozialistischer Realismus

Jurek Becker: "Jakob der Lügner" / Bertolt Brecht: / Christoph Hein "Drachenblut" / Stefan Heym: "Fünf Tage im Juni" / Sarah Kirsch: "Rückenwind" / Reiner Kunze: "Die wunderbaren Jahre" / Heinar Müller: "Der Lohndrücker" / Ulrich Plenzdorf: "Die neuen Leiden des jungen W." / Christa Wolf: "Der geteilte Himmel", "Störfall"

Schweizerische Literatur:

Friedrich Dürrenmatt: "Die Physiker", "Der Besuch der alten Dame" / Max Frisch: "Andorra", "Homo Faber"

Österreichische Literatur:

Thomas Bernhard "Der Weltverbesserer" / Peter Handke "Publikumsbeschimpfung" / Erich Fried: Lyrik / Erich Hackl: "Sidonie"


und viele, viele andere mehr ...


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Ulrich Koch Unterrichtshomepage für Deutsch und Englisch am FLG Bamberg